Das römische Landhaus von Bad Rappenau (Deutschland)
Das Hauptgebäude des Landhauses bzw. der Villawurde 1971, anlässlich der Flurbereinigung von Sinsheim entdeckt. Die Fundstelle wurde vom Landesdenkmalamtausgegraben und das Gebäude anschliessend konsolidiert und restauriert. Die Villa, die um 150 n. J.-C gebaut wurde, diente nur bis zur Mitte des III. Jahrhunderts. Zu jener Zeit sah sich Rom gezwungen die Grenzen des Reichs an den Rhein zurückzuverlegen, wobei im Osten grosse Gebiete aufgegeben wurden, in denen sich seine Zivilisation ausgebreitet hatte.

Die Erbauer mussten das Gefälle des Geländes nach Süd-Osten hin berücksichtigen : Der Nordflügel des Gebäude ist um 3,3 Meter höher als der Südflügel. Die Räume passen sich folglich diesem Gefälle an. Bezüglich der Karte muss man wissen, dass der höchste Raum der Saal war, der nicht mehr existiert, oberhalb des Kellers. Die Räume 2, 3 und 4 sind hinsichtlich dieses Punkts stufenweise angeordnet, jedes etwas tiefer, bis die niedrigste Ebene in Raum 4 erreicht ist.
Die Räume 6 und 7 sind auf der gleichen Ebene wie der obere Raum, aber 11-11’ ist auf zwei Ebenen : bis zum Nord-Ostwinkel, 11 ist auf Höhe des Raums 7 ; 11’ ist eine Etage darunter. Dieser umfasst die Räume 4, 5, 8-10, 13-13’, 14, und den Hof 12. Treppen gleichen diese Unterschiede aus. Vom Hof aus konnte man zu Raum 1 gelangen, den verschwundenen Saal, sowie zu 2, 6, 7 und 11 ; desgleichen stieg man von 2 zu 3,und von 11 zu 11’ hinab.
Nördlich des Gebäudes hat man eine Konstruktion angebracht, um es vor dem Druck der Erde zu schützen.

Die villa umfasst mehrere Bereiche, die um den grossen Zentralhof angeordnet sind, 12 (20,5 x 10,5 m ungefähr). Der hauptsächliche Bereich scheint der des Nord-Westwinkels zu sein. Vom Hof aus gelangte man in den Raum 1. Dieser Gang führte auch zu Raum 2, von dem Raum 3 abhängt und diente auch dazu, über das Treppenhaus in den Keller zu gelangen.

Der Raum 8 und die dazugehörigen Dienstpersonalräume 13-13’ und 9-10 bilden einen anderen Bereich. Man ist versucht den Raum 5 diesem Bereich zuzuordnen, aber ein verloren gegangener Gang in diesem Bereich macht es unmöglich zu rekonstruieren wie man dort zirkulierte .


Die Räume des Gebäudes lassen leicht ihre verschiedenen Zweckbestimmungen erahnen. Die des Nordwestens, des Westens und des Südens dienten als Wohnräume. Sie waren luxuriös eingerichtet : ihre Böden sind aus Mörtel, ihre Mauern, die fein gemauert und verputzt waren, waren bemalt.
Selbst der Keller -1 im Nordwestteil des Gebäudes war gefliest und geschmückt : Die Fugen der Mauern und der Ecksteine der Nischen und Kellerfenster waren mit dem Eisen gezogen und mit Farbe verbessert.




Zwei Räume hatten eine Hypocaustheizung. Die des verlängerten Raums des Südflügels, 8, wurde durch ein praefurnium versorgt, das sich im südlichen Teil befand, der Raum 3 wurde durch einen Heizraum im Raum 2 versorgt.


Die Diensträume befinden sich im Norden und Nordosten. Die Mauern sind nicht verputzt und der Fussboden inexistent. Der gesamte Nordostwinkel war durch einen grossen Bereich 11-11’ belegt, der in zwei Teile auf verschiedenen Ebenen geteilt war, man kann sich vorstellen, dass man dort Dinge lagerte, die für das Funktionieren der villa nötig waren.

Im Osten umfasst ein länglicher Anbau ein Foyer und eine Abwasserkanalisation, die mit Ziegeln ausgestattet war. Man muss annehmen, dass dort die Küche war.
Es bleibt nur ein Teil des Hauptgebäudes des Landhauses Villa ;sein Zustand ist sehr ungleich und erlaubt nicht festzustellen wo der Eingang war. Er lag sicherlich nicht in den Nordost oder Nordwestseiten, die sehr gut erhalten sind und die keinen Zugang dieser Art zeigen. Man kann den Eingang eher an der Südwestseite annehmen, vielleicht durch den Raum 5. Ein Gebäude dieser Grössenordnung hatte sicherlich auch Bäder, aber man weiss nicht wo.
Auch weiss man nicht wie das Gelände über das Gebäude hinaus erschlossen war. Wahrscheinlich breitete sich ein Vorhof vor der Südwestseite aus. Die zwei kleinen Räume 13-13’, im Norden von 8, sind natürlich später hinzugefügt worden. Aber man hat sie dort angefügt zu Lasten des Hofs, ohne Zweifel weil etwas dem entgegenstand, dass man sie im Süden von 8 plazierte. Die Aussenmauern des Raums 9, die dicker als die übrigen sind, scheinen sich nach Süden zu verlängern. Vielleicht muss man dort den Beginn eines Portikus annehmen, obwohl nichts symetrisches auf der anderen Seite ist.

Der Raum 14 scheint ebenfalls hinzugefügt zu sein, aber man kann annehmen, dass das dem gegenwärtigen Zustand der Karte zuzuschreiben ist. Vielleicht sind auf dieser Seite andere Räume verschwunden. Es stellt sich noch eine andere Frage : gab es Portiki im Hof ? Es scheint dass nicht. Man kann gleichwohl annehmen, dass in dieser regnerischen Gegend der Dachvorsprung einen genügenden Schutz bot.
Wie nach Bad Rappenau gelangen
Nehmen Sie die Autobahn A5 in der Richtung Basel - Mannheim. Nach Karlsruhe beim Kreuzen der Autobahn A6, Richtung Heilbronn fahren. Kurz vor dieser Stadt Ausfahrt Bad Wimpfen nehmen, dann links Richtung Bad Rappenau.Beim Eingang des Ortes links Richtung Siegelsbach einschlagen. Nach ungefähr 1 km, rechts auf dem Parkplatz das Auto abstellen. Der kleinen Strasse von dort aus 100 Meter folgen, man kommt an einem Teich entlang, der sich zur Linken befindet. Diesen umgehen und den Weg nehmen, der auf der anderen Seite an ihm entlang führt. Das LandhausVilla befindet sich rechts.
In dieser Region kann man ebenfalls die Jupitersäule in Hausen an der Zaber besuchen.
Marc HEILIG




imprimer page
Deutsche Webmagazins