Die Funktionen des Hofs in den Olynthe-Gebäuden
Inhalt:
p. a : Die Stadt Olynthe und ihre Häuser.
p. b : Das Wasser.
p. c : Die Luft und das Licht.
p. d : Die Verbindungen des Hofs mit der Aussenwelt.
p. e : Religiöse Aspekte des Hofs.
p. f : Die Einrichtung des Hofs.
p. g : Verteilung und Verkehr.
p. h : Der Verkehr in den Säulenhöfen.
p. i : Der Hof und die oberen Stockwerke.
p. j : Schluss.
p. k : Bibliographie.
Einige Erläuterungen sind notwendig, um das Lesen dieses Artikels zu erleichtern.
Die Illustrationen sind zum grössten Teil Häuserpläne. Die Mauern sind rosa ; die den Hofbereich begrenzen , pastas inklusive, sind schwarz.
Der unbedeckte Teil des Hofs ist blau, insofern man kein Pflaster wiedergefunden hat ; in fuchsia wenn ein Bodenbelag oder Mosaik vorhanden war.
Die Räume hatten für gewöhnlich einen Boden aus gestampfter Erde ; auf unseren Zeichnungen sind sie weiss. Diejenigen Räume, die einen Bodenbelag oder Mosaik aufwiesen sind grün.
Die Gänge sind selten am Boden angegeben. Wenn sie es sind (Sockel, Schwelle) geben die Pläne sie mit schwarzen Linien an.
Die Abwasserkanalisation ist mit roten Linien angegeben.
An den Rändern des Bilds ist die unmittelbare Umgebung des Hauses (andere Häuser, Strassen, Gassen usw.) angegeben.
Schliesslich befinden sich die Illustrationen vor den Texten, die sich auf sie beziehen.
Die Stadt Olynthe und ihre Häuser

- Croquis de l’implantation de la ville d’Olynthe.
- La ville s’étend sur la Colline Nord et dans la plaine à l’ouest, selon un plan hippodamien rigoureux. Une partie seulement a été reconnue. Sur notre croquis, la voirie est en noir, et les insulae qu’elle délimite en rose. Les avenues sont nord-sud. Sur la Colline Nord, l’avenue A longe la rangée de maisons A qui borde la colline à l’est. Cette avenue et la suivante, B, encadrent au sud un vaste espace réservé à des édifices publics. Puis viennent les avenues C et D, qui oblique vers l’ouest dans sa partie sud. L’avenue E suit le rebord ouest de la colline. Dans la plaine, on a encore repéré les avenue F et G. Les rues sont implantées est-ouest, et coupent les avenues à angle droit. Les rues portent des chiffres romains. Sur la colline, du nord au sud, on compte les rues XIII à I. A partir de la rue -I, qui sort de la ville par l’est, les rues ont des chiffres négatifs : -I, -II, -III etc. Les rues se poursuivent dans la plaine, de la rue IX à la rue I, puis de -I à -V.
Als sich im Jahre 432 vor Christus die Städte Chalcidicis mit der Unterstützung des mazedonischen Königs Periccas gegen den Bund von Delos erhoben, entschieden sie sich dafür, sich an einem Ort zusammenzuschliessen, der sich leicht befestigen liess. Man entschied sich dafür, den Nordhügel von Olynthe zu wählen, um darauf eine neue Stadt zu gründen, die sich stark anlehnt an die Gründungen des Hippodamos von Milet. Es gab bereits eine kleine, sehr alte Ortschaft auf dem Südhügel. Die Bevölkerungzahl der neuen Stadt wuchs sehr schnell und blieb, trotz ihrer unglücklichen Entscheidung während des Peloponneskriegs, die einflussreichste Stadt von Chalcidici.
Im Jahre 348 v. Ch.belagerte Philip II von Makedonien Olynthe, nachdem er bereits die Häfen von Toronè und Mécyberna eingenommen hatte. Er konnte die Stadt aber nur dank des Verrats von Euthycratès und Lasthénès, zwei Kavallerieführer der olynthischen Armee einnehmen.. Die Stadt wurde daraufhin geplündert und geschleift und diejenigen unter ihren Einwohnern, die nicht hatten fliehen können, wurden getötet oder in die Sklaverei verkauft. Einige zerstörte Häuser wurden erneut bewohnt, dann diente Olynthe als Steinbruch, als Cassander im Jahre 316 v.Ch. Cassandria gründete.

- Croquis de l’implantation des insulae A VII, A VI et A V.
- Cliquer sur la vignette pour agrandir
La ville s’étend sur la Colline Nord et dans la plaine à l’ouest, selon un plan hippodamien rigoureux. Une partie seulement a été reconnue. Sur notre croquis, la voirie est en noir, et les insulae qu’elle délimite en gris. Les avenues sont nord-sud. Sur la Colline Nord, l’avenue A longe la rangée de maisons A qui borde la colline à l’est. Cette avenue et la suivante, B, encadrent au sud un vaste espace réservé à des édifices publics. Puis viennent les avenues C et D, qui oblique vers l’ouest dans sa partie sud. L’avenue E suit le rebord ouest de la colline. Dans la plaine, on a encore repéré les avenue F et G. Les rues sont implantées est-ouest, et coupent les avenues à angle droit. Les rues portent des chiffres romains. Sur la colline, du nord au sud, on compte les rues XIII à I. A partir de la rue -I, qui sort de la ville par l’est, les rues ont des chiffres négatifs : -I, -II, -III etc. Les rues se poursuivent dans la plaine, de la rue IX à la rue I, puis de -I à -V.
Die Häuser von Olynthe wurden zwischen 432 und 348 v.Ch. errichtet. Ihre Entwicklung fand in dieser kurzen Zeitspanne statt, aber ihre entsprechende Chronologie lässt sich dennoch schwer festlegen [1]. Die Zerstörung durch Philip II war so gross, dass man, nach der Aussage von Demosthènes [2], nicht hätte sagen können, dass sich an diesem Ort eine Ortschaft erhoben habe. Obwohl man beim Zeitzeugen eine Neigung zur Übertreibung berücksichtigen muss, sind uns nur die Grundmauern, der Boden, bzw. die Mauern bis zu einer geringen Höhe erhalten..
Das Gelände des Nordhügels von Olynthe ist von einem Netz von west-östlichen Strassen durchzogen, die der Archäologe D.M.Robinson vom Süden aus Richtung Norden nummeriert hat, sowie Süd-Nord-Strassen, die breiter sind und von Westen aus in Richtung Osten bezeichnet worden sind Dieses rechtwinklige Netz begrenzt sogenannte insulae [3] , die jeweils zwei Reihen von fünf Häusern umfassen, die durch eine Sanitärgasse getrennt sind. Von einigen Ausnahmen abgesehen, sind alle Gebäude in dieses Gitterwerk integriert, das sich nach Osten zur Ebene hin verlängert. Dennoch ist diese Anordnung weniger rigide als es zunächst den Anschein hat. Die hauptsächliche Unregelmässigkeit stellen zwei Häuserreihen dar : Die Reihe A befindet sich entlang der die Stadt umgebenden Mauer im Westen und grenzt an die Avenue A ; die Reihe A folgt der Biegung des Hügels im Nord-Westen.
Die Bezeichnung der Häuser durch D.M.Robinson, auch wenn sie uns kompliziert vorkommen mag, folgt dennoch einer strengen Logik, die es erlaubt, sofort jedes Haus im Gesamtplan zu orten. Die insulae beziehen ihre Bezeichnung von dem Prinzip, das durch gewisse Hinweise nahegelegt wird , dass sich die Stadt nämlich von Westen und von Süden her entwickelt hat. Das erste Element des Namens ist die Avenue, die dieinsulaim Westen begrenzt (Grossbuchstabe), das zweite ist die Nummer der Strasse die sie im Süden begrenzt (römische Zahl). In der so gekennzeichneten Insula, sind die Gebäude mit arabischen Ziffern nummeriert und zwar einer geraden Zahl für die Gebäude die im Süden der Sanitärgasse ( 2bis10 ), und ungerade für die die sich nördlich davon befinden ( 1bis9 ).Zum Beispiel ist das Haus AVII 4 von Westen ausgehend das zweite der Südreihe der Insula die im Westen die Avenue A und im Süden die Strasse VII begrenzen [4].
Die insulae sind folglich in zehn ungefähr gleich grosse Parzellen aufgeteilt, deren Form dem Quadrat ähnelt. Die Häuser ähneln sich stark, was die allgemeinen Charakteristika ihres Bauplans angeht, ohne identisch zu sein. Der Hof stellt ihr Hauptelement dar: immer in der Mitte des Südteils des Geländes situiert, ist seine Nordseite von einem nach Süden orientierten Baukörper besetzt. Auf diese Weise entsprach man dem Ideal eines gesunden und gut organisierten Hauses. Xénophon gibt uns, indem er in seinen Erinnerungen Sokrates zu Wort kommen lässt, eine recht genaue Beschreibung [5]:
(8) - « Desgleichen, als er über die Häuser sagte, dass das gleiche Haus zugleich schön und nützlich ist, schien es mir, als lehrte er, wie man sie bauen soll. Hier nun, wie er über die Frage dachte:
- Wenn man ein gut klimatisiertes Haus will, muss man da nicht überlegen, wie man es zugleich angenehm zu wohnen und so bequem wie möglich machen kann?
(9) - Als man ihm darin recht gegeben hatte :
- Ist es nicht angenehm, ein Haus zu haben, das im Sommer frisch und im Winter warm ist?
Als man ihm auch darin recht gab :
- Nun, sagte er, in den Häusern, die nach Süden hin ausgerichtet sind, dringt die Sonne im Winter in die Säulenhalle, aber im Sommer geht sie über unsere Köpfe und die Dächer hinweg, sodass wir Schatten haben.
Wenn es gut ist, die Häuser so anzuordnen, muss man die Teile, die nach Süden zeigen, erheben, damit die Wintersonne davon nicht ausgeschlossen ist und die Teile, die nach Norden zeigen, niedriger halten, damit die kalten Winde nicht hineindringen ».

- Maison A 2.
- Croquis M. Heilig

- Maison A 3.
- Croquis M. Heilig

- Maison A V 6.
- Croquis M. Heilig

- Maison A VII 4.
- Croquis M. Heilig
Das olynthische Haus ist ein Haus mit pastas dessen Varianten zahlreich sind. Die pastas, eine breite Galerie, die im Norden an den Hof grenzt [6], ohne Teil davon zu sein ist eng mit ihm verbunden und wird in der Entwicklung,die zum Peristyl (Säulenhalle) führt, vereinnahmt und in der Form eines Nordpromenoirs, das breiter und länger ist als andere Säulenhallen weiterleben : Das Hügelhaus in Delos ist für das II Jahrhundert vor Chr. Ein gutes Beispiel. Die Häuser von Olynthe weisen mehrere Aspekte der pastasauf : sie kann das Haus von West nach Ost durchqueren (A VIII 8, e), oder an einer ihrer Extremitäten (A VII 4, f) oder an beiden zugleich (A 2, h) durch einen kleinen Saal verstümmelt sein. Man kann feststellen, dass diepastas, die nach Süden hin ausgesetzt ist, sich durch eine Bucht, die von Pfeilern unterteilt wird, breit zum Hof hin öffnet. Diese Disposition wiederholt sich in den Häusern mit Peristyl (A 3, A V 6), wo die pastas das grosse Nordpromenoir ist.

- Reconstitution de la Villa de la Bonne Fortune.
- Frontispice Excavations at Olynthus, vol. VIII.
[1] Die südlichen Reihen der insulae wurden demnach vor denen im Norden gebaut. In der Insula VII zum Beispiel, brechen einige Räume der Häuser 3 und 5 mit der allgemeinen Orientierung. D.M. Robinson rechnet ihre schrägen Mauern früheren Konstruktionen zu gegenüber den Häusern, die sie später umschlossen.
[2] Démosthènes, IX, 26.
[3] Eine insula (plur. insulae) ist ein rechteckiger Häuserblock.
[4] Die Häuser der Reihen A und A’ stellen keine insulae dar, sondern sind in einer Reihe gebaut. Aus diesem Grund ist ihre Bezeichnung besonders : A 1, A 2, A 3 etc...
[5] Xénophon, Erinnerungen, III, VIII 8-9.
[6] Hérodot (II, 148) gebraucht den Begriffpastas um im ägyptischen Labyrinth Zimmer oder Gänge zu bezeichnen, die dazu dienen, die verschiedenen Wohnungen zu verbinden :
« Die Räume, durch die wir gingen, die Höfe, in denen wir irrten,brachten uns durch ihre erstaunliche Abwechslung in einen Zustand unendlichen Erstaunens, in dem Masse, wie wir von einem Hof in eine Wohnung, von dieser Wohnung in Portiki (pastas), dann von diesen Portiki (pastas) in noch andere Wohnungen und von diesen Räumen in noch andere Höfe kamen ».




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