Neue Übersetzung: Das Mithräum von Halberg (Saarbrücken)

Im IV. Jahrhundert hatten Anhänger des Mithrakultes ihr Heiligtum auf demHalberg eingerichtet, einer der Hügel, die Saarbrücken beherrschen. Es wurde bereits zum Ende des Altertums verwüstet, die Anlage wurde darüberhinaus stark durch Phasen späterer Besetzungen gestÖrt. Es ist dennoch interessant, denn die mithraea sind recht selten in Grotten untergebracht

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La falaise et la plate-forme

Position

Von Süden kommend, macht die Saar bei Saarbrücken eine weite Schleife nach Westen hin und bahnt sich einen Weg zwischen dem Sonnenberg-massiv [1], auf dem linken Ufer und dem Halberg [2]. An dieser Stelle bildet das Massiv einen Felsenabgrund (2 auf der Karte) und wird wieder gerade (1), wo sich die Grotte befindet, bevor es in den Fluss taucht.

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L’entrée de la grotte

Unten breitete sich der römische Marktflecken Vicus Saravus aus, an einer sehr günstigen Stelle an einem Wasserlauf und einer Römerstrasse, die Divodurum [3] mit Borbitomagus [4] verband. Die Einwohner des Ortes lebten vom Handel und vom Handwerk. In spätrömischer Zeit wurde dort ein Militärlager gebaut, das als Relais und Rückzugszentrum dienen sollte um die Strasse zu schützen. [5].

Um an den Ort zu gelangen, folgt man in Saarbrücken der Mainzer Strasse, die entlang dem Halbergim Norden liegt. Man nehme die Strasse, die auf den Berg führt in Richtung Saarlandischen Werbefunks. Man kann auf dem Parkplatz des Radiosenders parken. Dann folgt man dem Weg, der westlich des Parkplatzes liegt und steigt bis zum Ort hinunter.

Zur Geschichte der Ausgrabungen

Im XVIII Jahrhundert liess der Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken auf demHalbergdas kleine SchlossMonplaisirbauen. Die Grotte, die dem Geschmack jener Zeit entsprach, stellte ein Element des Parks dar ; sie wurde geleert und im Rokokostil eingerichtet. Der Hofgärtner, Friedrich Köllner erzählt, dass bei dieser Gelegenheit verschiedene Anitquitäten gefunden wurden [6].Er bemerkt auch, dass der Boden in der Mitte der Grotte einem Gefälle folgt, das zu einem Durchgang führte. Man nahm an, dass die Druiden die Grotte für Orakel verwendeten.
Im XIX Jahrhundert brachten diese Entdeckungen die Menschen dazu, zu glauben, dass dieHeidengrotte Mithra geweiht war. Die Ausgrabungen des Konservators Karl Klein, 1921, stützten diese Hypothese : er fand reichlich Material aus der römischen Zeit, aber auch aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters und dem Barock.
Im Jahre 1963 unternahm, M. Mail, der Intendant des Staatlichen Konservatoramts von Saarbrücken neue Ausgrabungen [7]. Seine Arbeit drehte sich vor allem um den Eingang der Grotte. Er fand dabei heraus, dass dieHeidenkapelle in drei Zeitabschnitten besetzt war : im III-IV Jahrhundert nach Chr. Durch ein mithraeum ;im XV Jahrhundert als christlicher Wallfahrtsort und im XVIII Jahrhundert durch die Einrichtung des Schlosses von Monplaisir.
Der Ort ist seither wieder hergerichtet worden. Heute ist er durch ein Gitter geschützt, was leider die Besucher daran hindert das Innere zu besuchen. Man hat fünf Sandsteinsäulen im toskanischen Stil hinzugefügt um das dreigeteilte Äussere des Heiligtums der spätrömischen Zeit wiederzugeben. Im Dezember 1988 wurde auf Betreiben des Saarlandischen Rundfunks, ein Bild von Mithra in Schwachrelief in der rechteckigen Nische des hinteren Teils der Grotte aufgestellt.

Das mithraeum

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Plan du mithraeum

Die Anhänger des Mithra haben, um der Notwendigkeit ihres Kults gerecht zu werden, die natürliche Höhle erweitert und vertieft. Sie machten daraus einen Raum mit drei Schiffen, der ganz in den Fels gehauen ist. Das Mittelschiff war gewölbt und mass 3,90 Meter in der Höhe (A auf der Karte) ; die beiden Seitenschiffe, die weniger hoch waren, hatten an der Decke eine Bedeckung (B). Beiderseits des Zentralraums, stützte man das Gewölbe durch toskanische Säulen [8].

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Le mithraeum vu du nord-ouest
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Le mithraeum vu du sud-ouest

Diese Dreiteilung gibt es auch am Boden : Das Mittelschiff wurde um 30 cm vertieft um den Seitenschiffen das Aussehen von Podien zu geben. Die Wände des Heiligtums waren vertikal und ohne Nischen.

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Détail de la voûte
Remarquer la première voûte, juste au dessus des colonnes, qui s’est effondrée. Au dessus, la nouvelle voûte retaillée.

Das natürliche Gewölbe war eingestürzt, weshalb man das heute sichtbare Gewölbe ausmeiselte. Über den oberen Wänden des Mittelschiff, das nun gehoben war, plazierte man einen soliden Architrav, der bei späteren Einstürzen stark beschädigt wurde. [9] Löcher, die oberhalb des Architrav in den Fels gehauen wurden, dienten dazu die Stützbalken zu befestigen.So scheint es, dass man annehmen muss, dass es eine weitere Etage über dem Mittelteil gegeben hat [10].

Ein Raum befand sich vor den Kultsälen, wobei seine Fassade die beiden Etagen verbarg. Von diesem Vorsprung ist keine Spur geblieben [11], aber alle mithraea umfassen auch einen Vorraum. Heute breitet sich eine grosse ebene Fläche vor der Grotte aus, die aus Humus und Bauresten besteht. Zu römischer Zeit neigte sich der Boden im Gegenteil zum Eingang des Heiligtums, zudem man über zwei in den Fels gehauene Stufen gelangte (C) [12]. Unmittelbar nördlich dieser Stufen befindet sich eine grosse Ausbuchtung, die ebenfalls in Sandstein gehauen ist (D). Seine Tiefe entspricht etwa einer Mannsgrösse und hat einen Durchmesser von 5 bis 6 Meter. Ein Teil davon ist erneut behauen worden um eine grössere Tiefe zu erreichen. Ein Abflusskanal goss den Überschuss an Wasser nach Westen. Diese Vorrichtungen dienten vielleicht den Waschungen und dem Bad, das der Ritus verlangte [13].

Es sind nur wenige Spuren der Dekoration des Heiligtums geblieben, denn es wurde am Ende der römischen Zeit, zweifellos durch Christen der Region, verwüstet [14]. Als Überbleibsel blieben nur Teile von Sandsteinstatuen, die die Spuren absichtlicher Zerstörung tragen [15]. Zwei Köpfe [16], mit zerstörtem Gesicht, gehören zu isolierten Statuen, vielleicht denen der Fackelträger Cautes und Cautopates [17]. Wie in allen mithraea, stellt das Kultrelief den Sonnengott dar, wie er einem Stier die Kehle durchschneidet ; damals müsste er sich auf einem Sockel befunden haben vor der Mauer, die sich in der Tiefe des Mittelschiffs befand. Geblieben ist nur das Geschlechtsteil des Tieres.

Selten sind die gefundenen Objekte, die direkt mit dem Kult zu tun haben : zwei Öllampen, vier kleine Schalen mit Schnabel aus gebrannter Erde und vielleicht ein Scherben mit einem Ring, der vielleicht als Kerzenhalter gedient hat. Die Keramikgegenstände umfassen auch Teller, Untertassen und flache Gegenstände [18]. Einige Vasen sind guter Machart : mit Barbotin dekorierte Gegenstände, oder aber mit Meisel oder Rolle bearbeitete Gegenstände, lackierte Gefässe aus schwarzer Erde mit figurlichen Darstellungen. Die Formen stammen aus spätrömischer Zeit.

Unter den Fundstücken ist weiterhin erwähnenswert ein Plättchen aus Blei mit Ringen. Es konnte so an einer Unterlage oder einem Stück Stoff aufgehängt werden. Es ist mit einer Büste in Basrelief mit orientalischen Zügen geschmückt mit einem phrygischen Hut, das Attis sein könnte [19].

Auch wenn nichts erlaubt, das Alter der Räume festzusetzen, mit Hilfe der Stratographie konnte ermittelt werden, dass sich die Besetzung durch die Römer in zwei Perioden einteilen lässt. Die Münzfunde bestätigen die durch die Keramikfunde ermittelten Zeiten. Man hat Münzen von der Zeit Diokletians, Konstantins, Magnences, Valentins und Gratiens gefunden, die bestätigen, dass die Grotte von der zweiten Hälfte des III Jahrhunderts bis zum Ende des IV Jahrhunderts besetzt war. Lange Zeit hat man gedacht, dass der Mithrakult auf dem Halberg durch Legionäre des castrum Vicus Saravusin der zweiten Hälfte des IV Jahrhunderts nach Magnence eingeführt wurde. Aber die ältesten Funde der Grotte stammen aus der zweiten Hälfte des III Jahrhunderts. Man muss folglich davon ausgehen, dass Neuangekommene im Marktflecken, Händler zum Beispiel die mithraische Gesellschaft desHalberg bereits zu jener Zeit gegründet haben.

[1] Auf dem Sonnenbergbefand sich in der mittleren Steinzeit eine Behausung.

[2] Halberg soll angeblich von Höhlenberg kommen. Die Christen gaben diesem Ort den Namen Heidenkapelle .

[3] Metz.

[4] Worms.

[5] Vicus Saravus ist auf der Karte von Peutinger nicht verzeichnet.

[6] unter ihnen erwähnt F.Köllner 10 rechteckige Stützen, die mit Inschriften und Basrelieffiguren geschückt waren. Die gegewärtige Rekonstruktion geht mit Recht von toskanischen Säulen aus. Was ist von diesen rechteckigen Stützen zu halten ?

[7] Mit der finanziellen Hilfe des Radiosenders Saarlandischen Werbefunks.

[8] Die Sockel und Kapitelle waren aus Sandsteinblöcken gehauen, die von den Vergrösserungsarbeiten stammten.

[9] Diese Felsfragmente, die teilweise beträchtlich waren und die wegen der Art der Behauung leicht erkennbar sind, befanden sich verschüttet unter den Resten der römischen Zeit.

[10] Man kann nicht ausschliessen, dass diese Etage später hinzukam.

[11] Es sei denn, man glaubt, dass die zahlreichen römischen Ziegelfragmente, sowie die Schieferplatten, die man gefunden hat ihm zuzuschreiben sind.Es ist ebenfalls möglich, dass manche Ausmeiselungen am Eingang der Grotte, die Pfosten der Giebelwand aufnahmen.

[12] 20 Meter im Westen dieser Stufen fällt der Felsen in einem starken Gefälle zur Saar hin.

[13] Die Erdauffüllung der Ausbuchtung enthielt Abfälle der Römer.

[14] Dies ist das Schicksal, das zahlreichemithraea teilten.

[15] Sie wurden verstreut im Inneren und in den archäologischen Schichten vor der Grotte gefunden, vermengt mit Resten der römischen Epoche.

[16] Sie sind zur Hälfte in Echtgrösse.

[17] Unter den anderen Skulpturteilen bleiben zu erwähnen eine Vogelkralle, ein ungenau behauener Mond und eine unlesbare Inschrift.

[18] dieses gewöhnliche Geschirr wurde bei rituellen Mahlzeiten, die die mithraischen Feste begleiteten verwendet.

[19] Zur Zeit der stärksten Durchdringung des Okzidents durch orientalische Kulte, war es nicht überraschend ein mystisches fremdes Bild vorzufinden, das dem im Heiligtum praktizierten Kult fremd war.

posted26. Februar 2006 par Übersetzung : Gerhard Rieger, Marc Heilig